Chansons

CHANSONS

Eine Handvoll Chansons frisch aus der Notenpresse … noch im Rough-Mix … ungemastert …

 

Unsinkbar | 3:48

Das Chanson, das wie kein anderes meiner Chansons die Tragik zu Ende gehender menschlicher Beziehungen seziert, mit freundlicher Unterstützung durch die Minibar in Zimmer 102 des Miramar, einem Bahnhofshotel in Bad Pyrmont. Das leicht angetrunkene Saxophon spielt Tobias Klug.

 

Die Ampeln der Stadt | 3:16

Die Welt steht still und wartet auf grün … das Chanson zur politischen Lage nach 9/11 und D. Trump.

 

Sonntags früh um zehn | 2:48

Sonntags morgens, am Frühstückstisch einer Familie, ist die Welt noch in Ordnung. Gesang Albrecht Koch und Frau Lindlom von FRAU LINDBLOM UND HERR KOCH.

 

Siehe auch das Video vom sofar-Konzert in Köln-Ehrenfeld im Frühjahr 2018! !

 

Was denkst Du | 3:22

Die zweitwichtigste Frage, die Frauen Männern seit Adam und Eva stellen. Die Frage, die Männer am meisten fürchten. Denn was sollen sie darauf antworten?

 

 

TEXTE

Wenn Sie beim Hören nicht alles gleich verstanden haben. Hier sind die Chansontexte noch mal zum nachlesen.

Unsinkbar

Die Sonne versinkt am Horizont, irgendwo hinter Bad Pyrmont.
Ich sitz im Zimmer Nummer einhundertzwo, nebenan rauscht laut ein Klo.
Es wird Nacht im Miramar, doch da ist Licht in der Minibar.
Ich trinke Gin auf Eis und höre Frank Sinatra.
Ich lese deinen Abschiedsbrief, Du bist so kalt wie ein Islandtief.
Ich geh vor Anker in der Minibar, ich bin unsinkbar!

Der Mond steht still am Horizont, irgendwo hinter Bad Pyrmont.
Ich sitz im Zimmer Nummer einhundertzwo, nebenan stöhnt ein Pornovideo.
Es ist Nacht im Miramar, doch da ist Licht in der Minibar,
ich trinke Gin auf Eis und singe Frank Sinatra.
Ich zerreiße deinen Abschiedsbrief, ich bleib so kalt wie Corned Beef.
Ich geh vor Anker in der Minibar, ich bin unsinkbar!
Es ist Nacht in der Minibar, doch da ist Licht im Pissoir,
ich pinkel Gin auf Eis, ich bin Frank Sinatra.
Ich werfe deinen Brief ins Klo, geh doch weg nach Gütersloh.
Ich geh vor Anker in der Minibar, ich bin unsinkbar!

 

Die Ampeln der Stadt

Ein Tiefdruckgebiet liegt auf der Stadt,
das Thermometer zeigt sechs Grad,
Tropfen platschen auf den Asphalt,
der Wind pfeift um die Haftanstalt,
in Pfützen schwimmen Regenblasen,
Krähen zerren Würmer aus dem Rasen,
die Ampeln der Stadt schalten auf rot.

Ein Bus fährt langsam um die Ecke,
ein Penner pinkelt an die Hecke,
Leute drängeln an der Haltestelle,
ein Rentner beißt eine Frikadelle,
ein kleines Kind bohrt in der Nase,
ein Schäferhund leert seine Blase,
die Frau an der Ampel wartet auf grün.

Männer halten Frau’n im Arm,
ein geparktes Auto hupt Alarm,
Schlaraffia gibt Preis-Rabatt,
Wolken liegen auf der Stadt,
die Spielothek wirbt ‚Spiel doch mit‘,
Mc Frites verkauft frische Pommes Frites,
ein Mann mit Rucksack wartet auf grün.

Im Rinnstein schwimmt eine tote Ente,
die SPD will die Flexi-Rente,
ein Flaschensammler wühlt im Dreck,
ein Anzugträger schaut schnell weg,
vor’m Bahnhof inhalieren Raucher,
ein Straßenkehrer fegt den Vorplatz sauber,
der IC in Gleis drei wartet auf grün.

Wind zerrt an den Werbeplakaten,
Schlangen warten an Automaten
Leute ziehen Rollkoffer,
im Gang liegt ein Besoffener,
Nachtschicht im Polizeirevier,
ein Rucksack liegt auf Bahnsteig vier,
die Welt steht still und wartet auf grün.

Sonntags früh um 10

Papa trinkt Kaffee,  Mama  rührt im  Tee,
Baby   löffelt Brei,  Papa köpft ein  Ei,
Hund hat Durst und  säuft,   Babys Nase  läuft:
Sonntags früh um  10.

Mama isst   Baguette,   Papa liest   SZett,
Baby  hat  jetzt Durst, Hund wittert  Wurst,
Papa blättert  um,  Fliege summt herum:
Sonntags früh um 10.

Mama  kocht  Kakao,   Radio   meldet Stau,
Auto draußen hupt, Baby pupt,
Papa geht auf’s Klo, Hund leckt sich den  Po:
Sonntags früh um  10.

 

Was denkst Du?

Wir sitzen im Café
die Kellnerin bringt Tee
ich schau Ihr bei der Arbeit zu
und Du fragst: Was denkst Du?

Ich weiß nicht, was ich sagen soll
schau stumm in Dein Gesicht,
ich weiß schon lang nicht mehr,
was ich denke und was nicht.

Mein Kopf ist völlig leer,
ich weiß nicht, wer ich bin,
ich denk an gar nichts mehr
und trinke nur noch Gin.

Der Abend zieht sich hin
die Kellnerin bringt Gin.
Du schaust mir beim Trinken zu
und fragst, warum trinkst Du?
Ich weiß nicht, was ich sagen soll,
das Café schwankt wie ein Schiff
und ich steuer volle Fahrt
auf ein Felsenriff.

Mein Kopf ist völlig leer,
ich weiß nicht, wer ich bin,
ich denk an gar nichts mehr
und trinke nur noch Gin.

Mein Kopf ist völlig leer,
ich weiß nicht, wer ich bin,
ich denk an gar nichts mehr,
außer an die Kellnerin!

Sie und er

Sommer, Sonne, Strand, irgendwo am Meer,
es riecht nach Tang und Ambre solaire.
Frauen bräunen Haut, Kinder schaufeln Sand,
Männer spielen Ball, Wellen schlagen an Land.

Sie liegt im Sand, schaut auf’s iPhone.
Neben ihr sitzt er, mit einer Erektion.
Er streichelt ihr Bein, sie wischt herum,
er redet und lacht, sie nickt stumm.
Eine Möwe schreit,
er trinkt Red Bull,
sie Cola light.
Ein Tag am Meer,  sie und er.

Die Sonne brennt, er cremt sie ein,
ihr iPhone summt, ihn juckt das Bein.
Sie raucht Pall Mall und telefoniert,
er schaut sie an und transpiriert.
Dann weht ein Wind,
er schwimmt im Meer,
sie kaut Spearmint.
Ein Tag am Meer,  sie und er.

Der Mond geht auf über’m Strandcafe,
sie raucht Pall Mall, er bestellt Rosé,
Er schaut aufs Meer, sie blickt zur Bar,
der Kellner grinst, sie streicht durch ihr Haar.
Der Leuchtturm blinkt,
sie inhaliert
und er trinkt.
Ein Tag am Meer,  sie und er.

Frau Z. und Herr B.

Parkstraße vier, Montag früh 6 Uhr, Herr B.: Bad, Dusche, Deo, Rasur, Frau B.: Küche, Kaffee, Toast, Rührei, Sie: Hausputz, er: Porsche, A 3.

Stadtzentrum, Bankhaus, kurz nach 8 Uhr, Frau Z.: Blazer, Rock, Hochsteckfrisur. Frühstück: Apfel, R 1, Kaffee Haag, Handyklingel, Kundenauftrag.

Zehn Uhr, Händlerflur, caps, calls und swaps, Bildschirm: Markdaten, Meldung Mailbox. Marktanalyse: Zertifikat, Telefonorder: Zinsderivat. Herr B.: im Minus, Frau Z.: Gewinn, sie: Tee, er: Benzodiazepin.

Ein Uhr, Lufthansa, Flug Drei Acht Zwo, Frau Z., Herr B., sie: Saft, er: Bourdeaux. London, Meeting, Anlageprodukt, Beifall, Investor beeindruckt.

Downtown Soho, 3-Sterne-Lokal, Frau Z.: Salat an eau mineral, Herr B.: Bordeaux, Steak, drei Nasen Schnee, Er: lock’rer Schlips, sie: Dekollete.

Hotel, Aufzug, Herr B. ohne Schlips, Frau Z.: Frisur korrekt, kleiner Schwips, Penthouse Suite, Win-Win Situation, Moet Chandon, Aktion, Reaktion, Frau Z.: Investment nackter Popo. Herr B.: Penis Perfomance: no!

Dienstag, zwanzig Uhr, Parkstraße vier, Frau B., Neglige, Duft von Allure. Herr B., Kühlschrank, Eis, Vodka Red Bull, TV-News: Lehman-Brothers auf Null. „Wie war London?“ Sie, nackt, Schlafzimmer, Er: Vodka pur, „So wie immer“!

Die Nase von Brad Pitt

Dies ist die Story von Heinz K., angestellt bei Edeka, wohnhaft Wuppertal.
K. besaß ’ne Höckernase und ein Kinn wie’n Osterhase und auch Haarausfall.

Da sah K. in RTL Doktor B. mit dem Skalpell von der Beauty Clinic in Köln-Bayenthal.
B. spritzte Botox, saugte Fett, sägte Nasenhöcker weg, implantierte, nähte, schnitt.

K. wollte auch eine OP, doch die Bank gab kein O. K. und verwehrte den Kredit.
K. besorgte ein Gewehr; in der Postbank Langendreer rief er: Geld her – oder ich schieß!

Er wollte nur die Nase von Brad Pitt, das Haar von Helmut Schmidt,
Das Kinn von Cary Grant, die Augen von James Bond.
Er wollte nur den Mund von Steve Mc Queen, die Ohren von James Dean
und das Glied von Sasha Hehn.

Dank der Kamera in der Bank hat die Polizei erkannt, dass K. der Gangster war.
Stefan D., der Kommissar, fand K. in einer Bar downtown Wuppertal.

D. trank Whiskey mit Heinz K. und sie kamen sich sehr nah,
nur die Kripo sucht noch Heinz K., wie er mal war.

Er hat jetzt die Nase von Brad Pitt, das Haar von Helmut Schmidt,
das Kinn von Cary Grant, die Augen von James Bond.
Er hat den Mund von Steve Mc Queen, die Ohren von James Dean
und das Glied von Sasha Hehn.

Erik(a)

Er hieß Erik, war Pastor in der Pfarre Sankt Theodor.
Ein frommer Mann des Vatikan, so glaubte jedermann.

Heimlich in der Sakristei schminkte er sich als Lorelei,
trug Tütü und Büstier, tanzte zu Schwanensee.

Plötzlich sah Schwester Cordula den Pastor mit Push-Up-BH.
„Der Satan,“ schrie sie, „in Weibsgestalt“, sie lebt jetzt in der Heilanstalt.

Der Bischof sprach: kehr um, mein Sohn, dein Weg führt in das Purgatorium!
Doch Erik tanzte weiter Cha Cha Cha  und nannte sich nun Erika.

Jemand sah ihn im Negligé, irgendwo an der Chaussee.
Man fand ihn bald im finst’ren Wald, doch da war er längst schon kalt.

Im Himmel fand Eriks Seele Ruh, die Engel trugen auch Dessous.
Und Gott verkündete:  „Ich heiß nicht Gott!
Mein Name ist Charlotte ! Mein Name ist Charlotte !
Mein Name ist Charlotte ! Mein Name ist Charlotte !“